Drei Jahre – und eine neue Serie

Vor genau drei Jahren, am 15. Juli 2023, ging die Homepage online. Drei Jahre später ist sie zu dem geworden, was sie von Anfang an sein sollte: ein Ort für Menschen, die Kartenspiele nicht nur spielen, sondern auch verstehen möchten – ihre Geschichte, ihre Entwicklung und vieles mehr. Zusammen mit den seit 2010 organisierten Kartenspiel-Treffen in Hannover verbindet die Homepage fundiertes Wissen mit gelebter Spielpraxis.

Passend zum dritten Geburtstag startet heute die bislang umfangreichste Serie der Homepage: Die Geschichte von Doppelkopf, Schafkopf und Skat – zehn Teile über eine Spielfamilie, deren Wurzeln bis ins Jahr 1426 nach Nördlingen zurückreichen und deren Entwicklung schließlich bis nach Wisconsin führt. Der erste Teil mit einem Überblick über die gesamte Serie ist ab sofort verfügbar.

Teil 1: Ein Stück Spielgeschichte

Wer Doppelkopf, Skat oder Bayerischen Schafkopf bzw. kurz Schafkopf spielt, der spielt – ohne es zu wissen – immer auch ein Stück Spiel-geschichte.

Alle drei haben dieselbe Wurzel: einen heute kaum noch bekannten Vorgänger aus dem sächsisch-thüringischen Raum, den Deutschen Schafkopf.

Aber die Geschichte beginnt nicht dort, sie beginnt 1426 in Nördlingen. Und sie endet nicht in Deutschland, sondern in Wisconsin/USA, wohin deutsche Einwanderer ihr Kartenspiel mitnahmen und es weiterentwickelten.

Diese zehnteilige Serie – deren Beiträge in den nächsten Monaten folgen – erzählt diese Geschichte. Von den Vorläufern über die Karten bis zur Gründung von Verbänden, die die offiziellen Regeln verbindlich festlegten.

Jede Folge steht für sich, man kann einsteigen, wo man möchte. Wer die ganze Linie sehen möchte, findet sie hier:

Die zehn Teile im Überblick

TeilThema
1Einleitung: Ein Stück Spielgeschichte
2Karnöffel – das älteste belegte deutsche Kartenspiel (1426)
3L’Hombre und Tarock – die Einflüsse von außen
4Das Deutsche Kartenblatt – Eichel, Grün, Herz, Schellen
5Deutscher und Wendischer Schafkopf – die gemeinsame Wurzel
6Skat – Entstehung in Altenburg
7Skat – Verbreitung und Vereinheitlichung
8Doppelkopf – eigenständiger Erbe und Gründung des DDV
9Bayerischer Schafkopf – der Weg von Nord nach Süd
10Sheepshead – das Spiel, das nach Amerika reiste

Die Entwicklungslinie im Überblick

ZeitraumSpiel / EreignisRegionBedeutung
ab 1426KarnöffelSüddeutschlandÄltestes belegtes deutsches Kartenspiel; erste feste Sonderkarten
16.–17. JahrhundertL’Hombre / Deutsches SoloSpanien / DeutschlandErstes Reiz-Prinzip: Trumpffarbe durch Bieten
ca. 1425Urspung von TarockNorditalienErfindet den Begriff Trumpf; weggelegte Karten
ca. 1460Deutsches Blatt entstehtMitteleuropaEichel, Grün, Herz, Schellen; Ober, Unter, König, Daus
vor 1782Deutscher SchafkopfSachsen / ThüringenÄltester belegter Schritt der Spielfamilie
frühes 19.
Jahrhundert
Wendischer SchafkopfErzgebirge / LausitzBindeglied; Basis für Skat, Doppelkopf und Bayer. Schafkopf
1810–1817Skat entstehtAltenburg / ThüringenVorläufer: Dreiwendsch + L’Hombre + Tarock; Spiel für drei
1811Doppelkopf erstmals beschriebenSachsenDrei Versionen; Entstehung spätes 18. Jh.
1843–1849Bayerischer SchafkopfFranken / BayernRufspiel als Neuerung; wandert von Norden nach Süden (genaue Datierung unsicher; belegt für das 19. Jahrhundert in Franken)
ab 1840erSheepshead entstehtWisconsin / USADeutsche Einwanderer bringen Schafkopf mit
18861. SkatkongressAltenburgAllgemeine Deutsche Skatordnung; ca. 1.000 Teilnehmer
1899Deutscher Skatverband (DSkV) gegründetHalle / AltenburgBundesweite Vereinheitlichung
1982Deutscher Doppelkopf-Verband (DDV) gegründetBraunschweigDachorganisation für Doppelkopfvereine; 16 Gründungsvereine
1983Sheepshead – offizielles Spiel MilwaukeesMilwaukee / WisconsinKulturelle Anerkennung
19891. Bayer. Schafkopf-KongressMünchen (Hofbräuhaus)Offizielle Turnierregeln
1990 / 1994Chemnitzer ModellSachsen / AltenburgVierfarbenblatt als Turnier-Kompromiss Ost/West
2004Schafkopfschule e. V. gegründetMünchenHeute inoffizielle Berufungsinstanz für Schafkopf-Regeln
2016Skat: UNESCO-KulturerbeDeutschlandImmaterielles Kulturerbe der Bundesrepublik

Die gemeinsamen Gene der Spielfamilie

Wenn man Wendischen Schafkopf, Doppelkopf, Skat und Bayerischen Schafkopf neben-einanderlegt, sieht man sofort die Verwandtschaft ebenso wie die Unterschiede, die jedes Spiel zu einem eigenständigen Charakter gemacht haben:

MerkmalWendischer SchafkopfSkatDoppelkopfBayerischer Schafkopf
Damen / Ober
als Trumpf
(Standardspiel)
JaNeinJaJa
Buben / Unter
als Trumpf
(Standardspiel)
JaJaJaJa
Karo / Schellen
als
Trumpffarbe
(Standardspiel)
JaFrühe Form: JaJaNein
Partnerschaft
über
höchste(n)
Trumpf/
Trümpfe
(Standardspiel)
JaNeinJa (still)Rufspiel (aktiv)
Spielerzahl4 (auch 3)344
Reizen vor
Spielbeginn
NeinJaJaJa
Doppelter
Kartensatz
NeinNeinJaNein
Heute aktiv
gespielt
KaumJaJaJa

Neue Serie: Geschichte der Kartenspiele

Kartenspiele faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Manche Spiele entstanden in Wirtshäusern, andere an Fürstenhöfen oder in Universitätsstädten. Viele haben sich über Generationen hinweg verändert und regionale Besonderheiten entwickelt. Doch wie sind unsere heutigen Lieblingsspiele eigentlich entstanden?

Mit der neuen Kategorie „Geschichte der Kartenspiele“ möchte ich dieser Frage auf den Grund gehen. In einer mehrteiligen Artikelserie beleuchte ich nicht nur die historischen Hintergründe, sondern auch die Entwicklung der einzelnen Spiele, ihre Vorläufer und die Ereignisse, die sie bis heute geprägt haben.

Den Auftakt bilden drei der bedeutendsten deutschen Kartenspiele: Doppelkopf, Schafkopf und Skat. In den kommenden Monaten erscheinen regelmäßig neue Beiträge, die sich mit der Entstehungsgeschichte, den historischen Zusammenhängen und der Entwicklung dieser Klassiker beschäftigt. Dabei wird schnell deutlich, dass die Spiele enger miteinander verwandt sind, als viele vermuten.

Daran folgend widmet sich eine weitere Serie den süddeutschen Traditionsspielen Binokel und Gaigel. Auch sie blicken auf eine lange Geschichte zurück und haben ihre ganz eigenen Besonderheiten entwickelt.

Bereits in Planung ist außerdem eine dritte Reihe über die beliebten südeuropäischen Kartenspiele Briscola, Scopa und Tute. Diese Spiele gehören in Italien und Spanien bis heute zum Alltag und zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich Kartenspieltraditionen in Europa entwickelt haben.

Alle Beiträge entstehen auf Grundlage sorgfältiger Recherchen. Wo historische Quellen unterschiedliche Auffassungen vertreten, werden diese transparent dargestellt und eingeordnet. Ziel ist es, nicht nur unterhaltsame Geschichten zu erzählen, sondern einen möglichst fundierten Überblick über die Entwicklung der bekanntesten Kartenspiele zu geben.

Die Spielregeln & Varianten sowie die verschiedenen Kartenblätter & -bilder sind bereits in den jeweiligen Kategorien zu den einzelnen Kartenspielen zu finden. In dieser Kategorie geht es um den Ursprung und die Entwicklung der Spiele.

Ich wünsche viel Freude beim Lesen und vielleicht entdeckst Du dabei die Geschichte Ihres Lieblingskartenspiels aus einer ganz neuen Perspektive.

Darstellung Spielkartenbilder

Bei den hier dargestellten Kartenbildern handelt es sich um Beispiele von Kartenherstellern wie Frobis, ASS Altenburger, Dal Negro, Maestros Naipes, Bicycle, COPAG, Cartamundi, AGM Müller, Bonaparte u. a.

Die Abbildungen dienen ausschließlich der Veranschaulichung der in verschiedenen Ländern gebräuchlichen Kartenbilder und verfolgen keinen kommerziellen Zweck im Hinblick auf die genannten Marken.

Schweizerdeutsches Bild

Das schweizerdeutsche Bild ist ein eigenständiges traditionelles Kartenbild und wird vor allem in der Schweiz verwendet. Es nutzt die Farben Eichel, Schilte (Schilde), Rose und Schelle sowie die Bildkarten Under (U), Ober (O) und König (K).

Es wird hauptsächlich in der deutschsprachigen Schweiz verwendet und bildet die Grundlage zahlreicher traditioneller Kartenspiele, insbesondere des Jass.

Eine Besonderheit des schweizerdeutschen Bildes ist seine eigenständige Gestaltung der Farben und Figuren, die sich deutlich von den in Deutschland und Österreich gebräuchlichen Kartenbildern unterscheidet. Zudem bleibt der Daus als höchste Karte erhalten, während sich dieser in anderen Kartensystemen später zum Ass entwickelte.

Prager Doppelbild

Das Prager Doppelbild ist ein traditionelles Kartenbild des mitteleuropäischen Raums und gehört zu den doppeldeutschen Kartenbildern. Es verwendet die Farben Eichel, Laub (Grün), Herz und Schelle sowie die Bildkarten Unter (U), Ober (O) und König (K).

Es wurde vor allem in Böhmen und angrenzenden Regionen der ehemaligen Habsburgermonarchie verwendet und stellt eine Weiterentwicklung der einfachdeutschen Kartenbilder dar.

Charakteristisch ist zudem die ikonische Gestaltung einzelner Daus-Karten: Besonders bekannt ist der Bär auf dem Schellen-Daus, der als typisches Erkennungszeichen des Prager Kartenbildes gilt.

Prager Einfachbild

Das Prager Einfachbild ist ein traditionelles Kartenbild des mitteleuropäischen Raums und gehört zur Familie der deutschen Kartenbilder. Es verwendet die Farben Eichel, Laub (Grün), Herz und Schelle sowie die Bildkarten Unter (U), Ober (O) und König (K).

Es wurde vor allem in den historischen Regionen Böhmens und Teilen der ehemaligen Habsburgermonarchie verwendet und prägte zahlreiche traditionelle Kartenspiele in Mitteleuropa.

Eine Besonderheit des Prager Einfachbildes ist seine schlichte und klar strukturierte Gestaltung der Figuren, die sich von anderen deutschen Kartenbilder unterscheidet. Charakteristisch ist zudem die ikonische Gestaltung einzelner Daus-Karten: Besonders bekannt ist der Bär auf dem Schellen-Daus, der als typisches Erkennungszeichen des Prager Kartenbildes gilt.