Die deutschen Kartenbilder sind ein bedeutender Bestandteil der deutschen Spielkultur. Das deutsche Blatt entwickelte sich im 15. Jahrhundert aus frühen europäischen Kartenformen und bildete seit dem späten 15. Jahrhundert zahlreiche regionale Varianten aus. Ihre gemeinsame Grundlage bildet das deutsche Blatt mit den vier Farben Eichel, Grün (Laub), Herz und Schellen. Es verbreitete sich vor allem im süddeutschen und alpinen Raum.
Das Deutsche Blatt: Eichel, Grün, Herz, Schellen
Das deutsche Blatt entwickelte sich im späten 15. Jahrhundert aus frühen europäischen Kartenformen. Besonders im süddeutschen und alpinen Raum setzte es sich durch.
Seine vier Farben sind Eichel, Grün (auch Laub/Blatt), Herz und Schellen. Die Hofkarten heißen traditionell Unter, Ober und König (in älteren Systemen zusätzlich der Daus als Zahlenkarte mit Sonderrolle). Die heute verbreitete Gleichsetzung „Bube, Dame, König, Ass“ stammt aus dem französischen Blatt und ist nicht direkt auf das deutsche System übertragbar.
Wichtig ist dabei eine Korrektur zur häufigen Fehlannahme: Der „Daus“ geht sprachlich auf ein altes Wort für die Zahl Zwei zurück. Obwohl der Daus im deutschen Blatt die Asskarte darstellt, blieb sein historischer Name erhalten. Wie es zu dieser Übertragung des Namens von der Zwei auf das Ass kam, ist in der Forschung nicht abschließend geklärt. Eine mögliche Erklärung sieht darin eine Verbindung zur besonderen Stellung der Zwei in frühen Kartensystemen; ein eindeutiger Nachweis fehlt jedoch.
Die Hofkarten des deutschen Blatts (Unter, Ober und König) entwickelten sich unabhängig von den späteren Tarock-Hofkarten. Zwar bestehen funktionale Parallelen zu König, Ritter und Bube anderer europäischer Kartenfamilien. Eine direkte Ableitung lässt sich jedoch nicht belegen. Entscheidend ist: Das deutsche Blatt entwickelte eine eigene Hierarchie mit Ober und Unter, die in vielen Spielen funktional zu zentralen Figuren wurden.
Etablierung des Französischen Blattes
Neben dem deutschen Blatt etablierte sich in Deutschland das französische Blatt (Kreuz, Pik, Herz, Karo), das im 15. Jahrhundert über die Rheinregion ins Land gelangte. Es verbreitete sich zunächst über das Rheinland und Nordwestdeutschland.
Später setzte es sich in weiten Teilen Nord- und Westdeutschlands durch und bildet heute das Standardblatt für Skat und Doppelkopf im Turnierbetrieb. Damit steht es räumlich dem deutschen Blatt gegenüber, das vor allem im süddeutschen Raum verbreitet blieb.
Das Bayerische Bild: Regionale Ausprägung
Das Bayerische Bild ist eine regionale Ausprägung des deutschen Blatts, die sich bereits ab etwa 1650 herausbildete und sich über verschiedene Zwischentypen bis ins 18. und 19. Jahrhundert weiterentwickelte und bis heute für Schafkopf typisch ist. Charakteristisch sind die stark stilisierten Figuren, insbesondere bei Ober und Unter, die oft militärisch oder landsknechtartig dargestellt sind. Die heute bekannten charakteristischen Darstellungen wurden im 19. Jahrhundert durch industrielle Produktion und neue Druckverfahren geprägt.
Die Unterscheidung zwischen konkreten Zeichnern einzelner Kartenbilder ist historisch nur teilweise belegbar und oft Ergebnis späterer Katalogisierungen der Spielkartenindustrie. Sicher ist: Die Standardisierung der Kartenbilder erfolgte im 19. Jahrhundert durch industrielle Produktion, nicht durch einzelne „Urzeichner“.
Das Fränkische Bild: Regionale Variante
Das Fränkische Bild ist keine eigenständige Kartenfamilie, sondern eine regionale Variante des bayerisch-deutschen Blatts, die sich im 19. Jahrhundert aus dem Münchner Typ des Bayerischen Bilds entwickelte.
Es besteht meist aus 36 Karten und ist in Franken verbreitet. Zum Spielen von Schafkopf werden davon 32 Karten verwendet; die häufig verkauften 36-Karten-Päckchen enthalten zusätzlich die für Tarock benötigten Sechser.
Die Unterschiede zum Bayerischen Blatt betreffen vor allem einzelne Figurenzeichnungen und regionale Gestaltungselemente sowie die Verwendung in unterschiedlichen Spieltraditionen, nicht jedoch die grundlegende Systematik des deutschen Blatts.
Das Sächsische Bild und verwandte mitteleuropäische Traditionen
Das Altenburger Bild entwickelte sich aus der mitteldeutschen Tradition des Sächsischen Bildes. Diese entstand vor allem im 17. und 18. Jahrhundert im sächsischen Raum. Das Sächsische Bild folgt denselben vier Farben (Eichel, Grün/Laub, Herz, Schellen) und derselben Hofkartenstruktur des deutschen Blatts, weist aber eine eigene regionale Bildsprache auf.
Aus dieser Tradition entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Altenburg ein bedeutendes Zentrum der industriellen Spielkartenherstellung, begünstigt durch die Gründung der Altenburger Spielkartenfabrik im Jahr 1832 durch die Brüder Otto und Bernhard Bechstein.
Das heute unter dem Namen Altenburger Blatt vertriebene Kartenbild entstand jedoch erst Anfang der 1960er Jahre, als der Grafiker Walter Krauß (1908–1985) für den VEB Altenburger Spielkartenfabrik die „Neue Altenburger Spielkarte“ entwarf. Die Fabrikgründung von 1832 markiert somit den Beginn der Altenburger Spielkartenproduktion, nicht die Entstehung des heute gebräuchlichen Kartenbilds.
Im gleichen mitteldeutsch-nordöstlichen Raum war außerdem das Preußisch-Schlesische Bild verbreitet, zu dessen wichtigsten Ausprägungen das Hallesche Bild zählt. Es verbreitete sich im preußisch-schlesischen Einflussbereich und unterschied sich in der Gestaltung der Hof- und Zahlenkarten von der sächsischen Tradition. Halle (Saale) war dabei ein bedeutendes Zentrum der regionalen Spielkartenproduktion.
Über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus ist das Prager Bild zu nennen: eine böhmisch-mitteleuropäische Variante des deutschen Kartenblatts, die sich in Böhmen und den angrenzenden Regionen verbreitete.
Es teilt die Grundstruktur des deutschen Blatts – vier Farben, Unter, Ober und König –, weist aber eine eigenständige bildliche Ausgestaltung auf, die böhmischen Druck- und Kunsttraditionen folgte. Das Prager Bild erinnert daran, dass die deutsche Kartentradition nicht an Staatsgrenzen haltmachte, sondern Teil eines breiteren mitteleuropäischen Kulturraums war.
Das Vierfarben-Blatt: Turnierstandard bei Skat
Das sogenannte Vierfarben-Blatt entstand im Zusammenhang mit der Vereinheitlichung des deutschen Skat-Turnierwesens nach der deutschen Wiedervereinigung. Während in den alten Bundesländern überwiegend mit dem französischen Blatt gespielt wurde, war in vielen Regionen der ehemaligen DDR das deutsche Altenburger Blatt verbreitet. Eine endgültige Einigung auf ein gemeinsames Turnierkartenbild fiel jedoch nicht unmittelbar auf dem Skatkongress 1990, sondern entwickelte sich erst in den folgenden Jahren.
Da viele Spieler aus den neuen Bundesländern das deutsche Blatt gewohnt waren, entwarf eine Initiativgruppe aus Sachsen 1990 das Vierfarben-Blatt („Chemnitzer Modell“). Es behielt die vertrauten französischen Symbole (Kreuz, Pik, Herz und Karo) bei, ordnete ihnen jedoch vier unterschiedliche Farben zu, wodurch sie im Spiel leichter zu unterscheiden waren.
1994 wurde das Vierfarben-Blatt vom Deutschen Skatverband als offizielle Turnierkarte zugelassen und ist seitdem die offizielle Turnierkarte des Deutschen Skatverbandes. Das Vierfarben-Blatt gilt nur für offizielle Turniere des DSkV, regionale und private Präferenzen (deutsches oder französisches Blatt) bleiben davon unberührt.
Moderne Forschung und Literatur
● Dummett, Michael: The Game of Tarot. From Ferrara to Salt Lake City. Duckworth, London, 1980.
● Hargrave, Catherine Perry: A History of Playing Cards and a Bibliography of Cards and Gaming. Boston/New York, 1930.
● Himmelheber, Georg: Spielkarten. Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums, Band 21. Bayerisches Nationalmuseum, München/Berlin, 1991.
● Kastner, Hugo; Folkvord, Gerald Kador: Die große Humboldt-Enzyklopädie der Kartenspiele. Humboldt, Baden-Baden, 2005.
Ergänzende Online- und Museumsquellen
● Bayerisches Nationalmuseum: Sammlung historische Spielkarten.
● ASS Altenburger Spielkarten: „Deutschlands Kartenkultur – eine Reise quer durchs Land“.
● Museum Burg Posterstein: „Altenburger Spielkarten: 500 Jahre alte Tradition“