Von einer Idee zu mehreren Serien

Bei der Recherche und dem Schreiben der ersten Teile meiner Serie „Die Geschichte von Doppelkopf, Schafkopf und Skat“ entstand die Idee, auch die Geschichte weiterer Kartenspiele zu erzählen, die ich selbst gerne spiele.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zunächst möchte ich die erste Serie mit allen geplanten Teilen abschließen. Danach folgen nach und nach weitere historische Reihen zu anderen Kartenspielen.

Teil 3: Tarock – der Ursprung des Talons und des Begriffs „Trumpf“

Tarock entstand im 15. Jahrhundert in Norditalien im Umfeld der frühen trionfi-Kartenspiele. Charakteristisch ist ein erweiterter Satz von Trumpfkarten, die die normalen Farben überragen und das Spiel strategisch dominieren. Der Begriff „Trumpf“ leitet sich über ältere Formen wie trumpf, trumpen und trionf vom italienischen trionfi („Triumphe“) ab. Ursprünglich bezeichnete das Wort die besonderen Karten, die andere Karten stechen konnten.

Nach den grundlegenden Forschungen von Michael Dummett lässt sich die Entstehung des später als Trionfi bezeichneten Spiels wahrscheinlich in die 1430er Jahre nach Norditalien einordnen. Wenige Jahre zuvor sind in Ferrara bereits Sonderanfertigungen sogenannter „Imperatori“-Karten für das Jahr 1423 dokumentiert, die möglicherweise zu den unmittelbaren Vorläufern gehörten.

Über mehrere sprachliche Zwischenstufen – insbesondere über französische und deutsche Spielterminologie – entwickelte sich daraus der heute gebräuchliche Begriff „Trumpf“. Es handelt sich daher nicht um eine direkte Übernahme aus dem Italienischen, sondern um eine sprachgeschichtliche Entwicklung.

Deutsche Anpassungen und ein bayerischer Sonderfall

Tarock verbreitete sich in zahlreichen Varianten in Europa, darunter darunter auch deutschsprachige Anpassungen mit unterschiedlichen Kartenbildern.Diese sogenannten Deutschen Tarockformen hielten sich regional bis ins 19. und teilweise frühe 20. Jahrhundert, sind heute jedoch – anders als etwa das österreichische oder französische Tarock – praktisch aus dem lebendigen Spielbetrieb verschwunden.

Das Bayerische Tarock (auch Haferltarock) ist kein klassisches Tarockspiel der Trionfi-Tradition, sondern ein eigenständiges bayerisches Stichspiel mit eigener Struktur. Der Name verweist historisch auf Tarock, nicht auf eine direkte spielgeschichtliche Zugehörigkeit.

Kein Orakel, sondern ein Kartenspiel

Ein weit verbreitetes Missverständnis verdient hier einen eigenen Satz: Tarock-Karten wurden jahrhundertelang ausschließlich als Spielkarten benutzt. Ihre Umdeutung zum okkulten Wahrsagewerkzeug ist erst auf das Jahr 1781 zu datieren, als der Franzose Antoine Court de Gébelin eine mystische Herkunft aus Ägypten entwickelte – ohne jede historische Grundlage. Die Gleichsetzung von „Tarock“ mit dem „Tarot-Orakel“ ist daher eine spätere Entwicklung und gehört nicht zur ursprünglichen Spielgeschichte.

Sprachlich hat sich im Deutschen zudem eine Begriffstrennung etabliert: „Tarock“ bezeichnet die Kartenspielfamilie, „Tarot“ die esoterische Wahrsagepraxis – eine Unterscheidung, die im Englischen oder Französischen in dieser Form nicht existiert.

Für die Entstehung des Skats (Teil 8) blieben aus dem Tarock vor allem zwei Elemente erhalten: der Talon – die zu Spielbeginn verdeckt beiseitegelegten Karten – und der Begriff „Trumpf“.

Zeitgenössische Quellen

● Court de Gébelin, Antoine: Le Monde primitif, Bd. 8. Paris, 1781.

Moderne Forschung und Literatur

● Dummett, Michael: The Game of Tarot. From Ferrara to Salt Lake City. Duckworth, London, 1980.
● Dummett, Michael; McLeod, John: A History of Games Played with the Tarot Pack. The Game of Triumphs. 2 Bände, Mellen Press, Lewiston (NY), 2004, ISBN 0-7734-6447-6.
● Mayr, Wolfgang; Sedlaczek, Robert: Die Kulturgeschichte des Tarockspiels. Geschichten über Tarock und seine berühmten Spieler. Edition Atelier, Wien, 2015, ISBN 978-3-903005-11-2.

Teil 2: Karnöffel – das älteste belegte deutsche Kartenspiel



Karnöffel gilt als eines der ältesten namentlich belegten und historisch rekonstruierbaren Kartenspiele des deutschsprachigen Raums. Es gilt als einer der wichtigsten historischen Vorläufer späterer deutscher Kartenspiele und zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Rangordnung der Karten aus. Spielkarten gelangten nach heutigem Forschungsstand erst ca. 1370–1377 an, eingeführt aus dem arabisch-mamlukischen Kulturraum über Italien und Spanien. Karnöffel entstand also gut zwei Generationen nach der Ankunft der Spielkarten in Europa – und gilt damit als das älteste noch rekonstruierbare Spiel dieser neuen Spielform.

Geschichte und Verbreitung von Karnöffel

Die häufig zitierte Nördlinger Spielordnung von 1426 wurde lange als ältester Beleg für Karnöffel angesehen. Ihre Authentizität beziehungsweise die korrekte Interpretation der Überlieferung ist jedoch inzwischen umstritten. Die wohlhabende Reichsstadt Nördlingen führte Karnöffel als erlaubtes Spiel auf. Das deutet auf eine gewisse Verbreitung und öffentliche Anerkennung hin. Nur wenige Jahrzehnte später verbot Augsburg das Spiel ausdrücklich. Andere Spiele blieben dort weiterhin erlaubt.

Dies zeigt, wie unterschiedlich die Obrigkeit mit Kartenspielen umging: mal Erlaubnis, mal Verbot — je nach Ort und Zeit. Ein wichtiger Vorbehalt betrifft jedoch die Datierung. In vielen älteren und populären Darstellungen wird 1426 weiterhin als ältester Beleg genannt.

Der Kartenspielforscher Ross G. R. Caldwell berichtete 2021 im Tarot History Forum über Recherchen des Spielkartenhistorikers Jonas Richter, wonach die häufig zitierte Nördlinger Quelle von 1426 möglicherweise auf einer Vermengung sekundärer Überlieferungen beruht und daher als historisch unsicher gelten müsse. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, wäre das Augsburger Verbot von 1446 der älteste gesicherte Beleg. Eine abschließende Klärung dieser Frage steht in der Forschung bislang jedoch noch aus.

Entstehung von Karnöffel

Die genaue Entstehung des Spiels ist unbekannt, es gilt jedoch als das älteste historisch rekonstruierbare Kartenspiel des deutschsprachigen Raums mit durchgehender Spieltradition. Im 16. Jahrhundert wurde Karnöffel besonders mit der Spielkultur der Landsknechte verbunden. Durch militärische Lager, Wirtshäuser und regionale Spielgemeinschaften verbreitete sich das Spiel weiter.

Die Herkunft des Namens „Karnöffel“ ist bis heute nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden ein Zusammenhang mit dem Begriff für einen Leistenbruch (mittelhochdeutsch „karnüffel“) als derbe Volksvokabel sowie eine Ableitung vom Eigennamen „Carneval“ – beides unterstreicht den volkstümlichen, un-höfischen Charakter des Spiels. Hinzu kommt die kirchliche Kritik: Geistliche und Obrigkeiten standen Kartenspielen grundsätzlich misstrauisch gegenüber, da sie mit Müßiggang, Glücksspiel und Gotteslästerung assoziiert wurden. Das erklärt das Verbotsmuster, das sich in vielen Städten zeigt.

Eine zeitgenössische Bestätigung dieser kirchlichen Kritik liefert der Straßburger Prediger Johann Geiler von Kaysersberg, der Karnöffel 1496 in einer Predigt scharf verurteilte. Besonders beanstandete er, dass das Spiel die gewohnte Rangordnung der Karten umkehrte und damit die bestehende Ordnung symbolisch auf den Kopf stellte.

Spielweise und Besonderheiten von Karnöffel

Karnöffel zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Rangordnung der Karten aus. Bestimmte Karten der „gewählten Farbe“ besaßen Sonderrechte und trugen symbolträchtige Namen wie Karnöffel, Papst, Kaiser, Teufel und König. Dabei konnten scheinbar niedrigere Karten höhergestellte Figuren schlagen. Der Karnöffel etwa besiegte selbst Kaiser oder Papst.

Für moderne Historiker wirkt das wie eine spielerische Umkehr gesellschaftlicher Ordnung. Ob dies tatsächlich als bewusste Sozialkritik verstanden wurde, lässt sich heute jedoch nicht sicher belegen. Wahrscheinlich standen Spielwitz, Überraschung und taktische Freiheit stärker im Vordergrund als politische Aussage.

Eine wichtige Regel besagte: Karnöffel konnte andere Karten nur schlagen, wenn ein Spieler ihn ausgespielt hatte. Das bedeutet, dass Karnöffel nur dann seine besondere Macht entfaltete, wenn er als erste Karte in einem Stich ausgespielt wurde. Diese Regel machte das Spiel einzigartig und unterschied es von anderen Kartenspielen der Zeit.

Karnöffel als Vorläufer späterer Kartenspiele

Karnöffel gilt als Vorläufer späterer deutscher Kartenspiele, insbesondere von Schafkopf, Skat und Doppelkopf. Obwohl die genaue Entwicklungslinie nicht eindeutig nachweisbar ist, zeigen sich in Karnöffel bereits Prinzipien, die später in diesen Spielen wiederzufinden sind. Dazu gehören die besonderen Rechte bestimmter Karten, die unabhängig von ihrer natürlichen Rangfolge waren, und die Möglichkeit, dass niedrigere Karten höhere schlagen konnten.

Ähnliche Prinzipien finden sich später auch in den Obern und Untern des Deutschen Schafkopfs, in den Damen und Buben des Skats und in den Damen und Buben von Doppelkopf wieder. Ob diese Gemeinsamkeiten auf direkte Überlieferung zurückgehen oder unabhängig entstanden sind, bleibt offen. Wahrscheinlich verlief die Entwicklung über zahlreiche regionale Zwischenformen, von denen viele nicht dokumentiert wurden..

Vom Karnöffel zum Kaiserspiel


Karnöffel hat bis in die Gegenwart überlebt. Besonders in der Zentralschweiz hat sich mit dem Kaiserspiel eine eng verwandte Tradition erhalten, die häufig als Nachfahre des Karnöffels angesehen wird. Trotz seiner eigenständigen Weiterentwicklung sind die historischen Wurzeln deutlich erkennbar. Damit zählt das Kaiserspiel zu den wenigen heute noch gespielten Kartenspielen, deren Ursprünge bis in das frühe 15. Jahrhundert zurückreichen.

Zeitgenössische Quellen

● Augsburg Spielordnung (1446), ältester gesicherter urkundlicher Beleg für Karnöffel.
● Geiler von Kaysersberg, Johann: Predigt vom Donnerstag nach Judica (1496), abgedruckt
in: Vom menschlichen Baum. Straßburg, 1521. Zeitgenössische Kritik an Karnöffel.

Moderne Forschung und Literatur

● Caldwell, Ross G. R.: Beitrag vom 23. März 2021 im Tarot History Forum („Karnöffel“), unter Bezug auf Recherchen von Jonas Richter zur Überlieferung der angeblichen Nördlinger Spielordnung von 1426.
● Dummett, Michael: The Game of Tarot. From Ferrara to Salt Lake City. Duckworth, London, 1980.
● Parlett, David: The Oxford Guide to Card Games. Oxford University Press, Oxford/New York, 1990.
● Parlett, David: „Karnöffel“, in: Historic Card Games.
● von Leyden, Rudolf: Karnöffel: Das Kartenspiel der Landsknechte. Wien, 1978.

Teil 1: Ein Stück Spielgeschichte

Wer Doppelkopf, Skat oder Bayerischen Schafkopf bzw. kurz Schafkopf spielt, der spielt – ohne es zu wissen – immer auch ein Stück Spiel-geschichte.

Alle drei gehören derselben Spielfamilie an. Ihre unmittelbaren Wurzeln liegen im Deutschen und Wendischen Schafkopf. Die eigentliche Geschichte reicht jedoch noch deutlich weiter zurück – zu den ersten deutschen Kartenspielen, der Entstehung des Trumpfprinzips und den frühen Vorläufern des Reizens.

Die Geschichte dieser Spielfamilie beginnt nicht erst mit Schafkopf oder Skat. Sie führt zurück bis ins 15. Jahrhundert – zu Karnöffel, dem ältesten belegten deutschen Kartenspiel, zur Entstehung des Trumpfprinzips im Tarock, zum Deutschen Kartenblatt und zu den spanischen Einflüssen von L’Hombre und Deutschem Solo. Von dort entwickelt sich Schritt für Schritt jene Spielfamilie, aus der später Skat, Doppelkopf und Bayerischer Schafkopf hervorgingen.

Diese sechzehnteilige Serie – deren Beiträge in den nächsten Monaten folgen – erzählt diese Geschichte. Von den ersten belegten Kartenspielen über die Entstehung von Trumpf, Kartenblatt und Reizprinzip bis zu Skat, Doppelkopf, Bayerischem Schafkopf und ihrer Auswanderung nach Nordamerika.

Mehrere Beiträge widmen sich bewusst den historischen Grundlagen. Sie erklären Spielprinzipien wie Trumpf, Reizen oder das Deutsche Kartenblatt, ohne die die späteren Spiele kaum verständlich wären.


Jede Folge steht für sich und kann unabhängig von den anderen gelesen werden. Wer die gesamte Entwicklungslinie nachvollziehen möchte, findet sie hier:

Die sechzehn Teile im Überblick

  Teil  Thema
  1  Einleitung: Ein Stück Spielgeschichte
  2  Karnöffel – das älteste belegte deutsche Kartenspiel
  3  Tarock – der Ursprung des Talons und des Begriffs „Trumpf“
 4  Das Deutsche Kartenblatt – Eichel, Grün, Herz, Schellen
  5  L’Hombre – das Reizprinzip aus Spanien
  6  Das Deutsche Solo – eine vereinfachte Variante von L’Hombre
  7  Deutscher Schafkopf und Wendischer Schafkopf – die vergessenen
Stammväter
  8  Skat – Entstehung in Altenburg
  9  Skat – Verbreitung, Kongresse und Standardisierung
  10  Skat – im 20. Jahrhundert und heute
  11  Doppelkopf – von den Anfängen zum modernen Spiel
  12  Doppelkopf – DDV und Doppelkopf heute
  13  Bayerischer Schafkopf – Entstehung und Rufspiel
  14  Bayerischer Schafkopf – Schafkopfschule und heute
  15  Sheepshead – Schafkopf in Wisconsin
  16  Gegenwart und Zukunft der Spielfamilie
  9  Skat – Verbreitung, Kongresse und Standardisierung

Die Entwicklungslinie im Überblick

  Zeitraum  Spiel / Ereignis  Region  Bedeutung
  ca. 1425  Ursprung von Tarock  Norditalien  Erfindet den Begriff
Trumpf; weggelegte Karten
  ab 1426  Karnöffel  Süddeutschland  Ältestes belegtes deutsches
Kartenspiel; erste feste
Sonderkarten
  ca. 1460  Deutsches Blatt entsteht  Mitteleuropa  Eichel, Grün, Herz,
Schellen; Ober, Unter,
König, Daus
  16.–17. Jahrhundert  L’Hombre / Deutsches Solo  Spanien / Deutschland  Erstes Reiz-Prinzip:
Trumpffarbe durch Bieten
  1782  Deutscher Schafkopf  Sachsen / Thüringen  Älteste bekannte
schriftliche Erwähnung
(sächsischer Straf- und
Bußgeldkatalog)
  frühes 19.
Jahrhundert
  Wendischer Schafkopf  Erzgebirge / Lausitz  Bindeglied; Basis für Skat,
Doppelkopf und Bayer.
Schafkopf
  1810–1817  Skat entsteht  Altenburg / Thüringen  Einflüsse: Dreiwendsch,
L’Hombre und Tarock;
Spiel für drei
  1811  Doppelkopf erstmals
beschrieben
  Sachsen  Drei Versionen bei Paul
Hammer belegt; Entstehung
spätestens spätes 18.
Jahrhundert
  19. Jahrhundert
(genaue
Entstehungszeit
unsicher; frühe
Belege aus Franken)
  Bayerischer Schafkopf  Franken / Bayern  Rufspiel als Neuerung;
wandert von Norden nach
Süden (genaue Datierung
unsicher; belegt für das 19.
Jahrhundert in Franken)
  ab 1840er  Sheepshead entsteht  Wisconsin / USA  Deutsche Einwanderer
bringen Schafkopf mit
  1886  1. Skatkongress  Altenburg  Allgemeine Deutsche
Skatordnung; ca. 1.000
Teilnehmer
  1899  Deutscher Skatverband
(DSkV) gegründet
  Halle / Altenburg  Bundesweite
Vereinheitlichung
  1982  Deutscher Doppelkopf-
Verband (DDV) gegründet
  Braunschweig  Dachorganisation für
Doppelkopfvereine; 16
Gründungsvereine
  1983  Sheepshead – offizielles
Spiel Milwaukees
  Milwaukee / Wisconsin  Kulturelle Anerkennung
  1989  1. Bayer. Schafkopf-   Kongress  München (Hofbräuhaus)  Offizielle Turnierregeln
  1990 / 1994  Chemnitzer Modell  Sachsen / Altenburg  Vierfarbenblatt als Turnier-
Kompromiss Ost/West
  2004  Schafkopfschule e. V.
gegründet
  München  Heute inoffizielle
Berufungsinstanz für
Schafkopf-Regeln
  2016  Skat: UNESCO-Kulturerbe  Deutschland  Immaterielles Kulturerbe
der Bundesrepublik

Die gemeinsamen Gene der Spielfamilie

Wenn man Wendischen Schafkopf, Doppelkopf, Skat und Bayerischen Schafkopf neben-einanderlegt, sieht man sofort die Verwandtschaft ebenso wie die Unterschiede, die jedes Spiel zu einem eigenständigen Charakter gemacht haben:

MerkmalWendischer SchafkopfSkatDoppelkopfBayerischer Schafkopf
Damen / Ober
als Trumpf
(Standardspiel)
JaNeinJaJa
Buben / Unter
als Trumpf
(Standardspiel)
JaJaJaJa
Karo / Schellen
als
Trumpffarbe
(Standardspiel)
TeilweiseFrühe Form: JaJaNein
Partnerschaft
über
höchste(n)
Trumpf/
Trümpfe
(Standardspiel)
JaNeinJa (still)Rufspiel (aktiv)
Spielerzahl4 (auch 3)344 (traditionell)
Reizen vor
Spielbeginn
NeinJaJaJa
Doppelter
Kartensatz
NeinNeinJaNein
Heute aktiv
gespielt
KaumJaJaJa

Neue Serie: Geschichte der Kartenspiele

Kartenspiele faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Manche Spiele entstanden in Wirtshäusern, andere an Fürstenhöfen oder in Universitätsstädten. Viele haben sich über Generationen hinweg verändert und regionale Besonderheiten entwickelt. Doch wie sind unsere heutigen Lieblingsspiele eigentlich entstanden?

Mit der neuen Kategorie „Geschichte der Kartenspiele“ möchte ich dieser Frage auf den Grund gehen. In einer mehrteiligen Artikelserie beleuchte ich nicht nur die historischen Hintergründe, sondern auch die Entwicklung der einzelnen Spiele, ihre Vorläufer und die Ereignisse, die sie bis heute geprägt haben.

Den Auftakt bilden drei der bedeutendsten deutschen Kartenspiele: Doppelkopf, Schafkopf und Skat. In den kommenden Monaten erscheinen regelmäßig neue Beiträge, die sich mit der Entstehungsgeschichte, den historischen Zusammenhängen und der Entwicklung dieser Klassiker beschäftigt. Dabei wird schnell deutlich, dass die Spiele enger miteinander verwandt sind, als viele vermuten.

Daran folgend widmet sich eine weitere Serie den süddeutschen Traditionsspielen Binokel und Gaigel. Auch sie blicken auf eine lange Geschichte zurück und haben ihre ganz eigenen Besonderheiten entwickelt.

Bereits in Planung ist außerdem eine dritte Reihe über die beliebten südeuropäischen Kartenspiele Briscola, Scopa und Tute. Diese Spiele gehören in Italien und Spanien bis heute zum Alltag und zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich Kartenspieltraditionen in Europa entwickelt haben.

Alle Beiträge entstehen auf Grundlage sorgfältiger Recherchen. Wo historische Quellen unterschiedliche Auffassungen vertreten, werden diese transparent dargestellt und eingeordnet. Ziel ist es, nicht nur unterhaltsame Geschichten zu erzählen, sondern einen möglichst fundierten Überblick über die Entwicklung der bekanntesten Kartenspiele zu geben.

Die Spielregeln & Varianten sowie die verschiedenen Kartenblätter & -bilder sind bereits in den jeweiligen Kategorien zu den einzelnen Kartenspielen zu finden. In dieser Kategorie geht es um den Ursprung und die Entwicklung der Spiele.

Ich wünsche viel Freude beim Lesen und vielleicht entdeckst Du dabei die Geschichte Ihres Lieblingskartenspiels aus einer ganz neuen Perspektive.

Teil 4: Crazy Eights mit 52 Karten

Während Mau-Mau, Neuner, Prší und Faraón mit einem 32-Karten-Blatt gespielt werden, verwenden andere Varianten der Eights-Gruppe das vollständige 52-Karten-Blatt. Auch hier gilt: Die Übereinstimmung im Kartenblatt beweist keine direkte Abstammung zwischen den Spielen, sondern zeigt lediglich eine gemeinsame internationale Tradition.

Pesten in den Niederlanden

In den Niederlanden ist die entsprechende Spielform unter dem Namen Pesten bekannt. Gespielt wird mit einem vollständigen 52-Karten-Blatt einschließlich der Joker. Auch hier sind die Grundprinzipien der Eights-Gruppe erkennbar, während einzelne Sonderkarten und Regeln von der deutschen Mau-Mau-Tradition abweichen.

Der Name Pesten bedeutet sinngemäß „schikanieren“ und verweist damit bereits auf den Charakter vieler Zusatzregeln, die darauf ausgerichtet sind, Mitspieler durch Strafkarten oder andere Effekte zu behindern.

Makao in Polen und Ungarn

IIn Polen und Ungarn ist die entsprechende Spielform unter dem Namen Makao bekannt. Gespielt wird ebenfalls mit einem 52-Karten-Blatt. Auch hier gilt das gemeinsame Grundprinzip der Eights-Gruppe: Karten werden nach Farbe oder Wert abgelegt, Sonderkarten verändern den Spielablauf. Zu etwaigen regionalen Unterschieden zwischen der polnischen und der ungarischen Spielweise liegt keine unabhängig geprüfte Quelle vor; Makao wird hier deshalb als ein gemeinsamer Abschnitt behandelt.

Makao gehört zu den am weitesten verbreiteten Vertretern dieser Spielfamilie außerhalb des deutschsprachigen Raums.

Wie bei den übrigen nationalen Varianten lässt sich auch für Makao keine direkte Abstammung von Mau-Mau belegen. Die Spiele gehören derselben internationalen Spielfamilie an, ohne dass eine gesicherte Abstammungslinie zwischen ihnen nachweisbar wäre.

Eine besondere Variante innerhalb dieser Spielfamilie, bei der die Regeln selbst zum Gegenstand des Spiels werden, wird gesondert in Teil 5 dieser Serie behandelt.

Zeitgenössische Quellen

Für Pesten und Makao sind bislang keine zeitgenössischen Dokumente bekannt, die mit den frühen deutschsprachigen Trumpf-Veröffentlichungen vergleichbar wären.

Moderne Forschung und Literatur

McLeod, John: Card Games: Eights Group. Pagat.

Ergänzende Online-Quellen

McLeod, John: National and regional card games: Poland. Pagat.
McLeod, John: Card games in Hungary. Pagat.