Wer Doppelkopf, Skat oder Bayerischen Schafkopf bzw. kurz Schafkopf spielt, der spielt – ohne es zu wissen – immer auch ein Stück Spiel-geschichte.
Alle drei gehören derselben Spielfamilie an. Ihre unmittelbaren Wurzeln liegen im Deutschen und Wendischen Schafkopf. Die eigentliche Geschichte reicht jedoch noch deutlich weiter zurück – zu den ersten deutschen Kartenspielen, der Entstehung des Trumpfprinzips und den frühen Vorläufern des Reizens.
Die Geschichte dieser Spielfamilie beginnt nicht erst mit Schafkopf oder Skat. Sie führt zurück bis ins 15. Jahrhundert – zu Karnöffel, dem ältesten belegten deutschen Kartenspiel, zur Entstehung des Trumpfprinzips im Tarock, zum Deutschen Kartenblatt und zu den spanischen Einflüssen von L’Hombre und Deutschem Solo. Von dort entwickelt sich Schritt für Schritt jene Spielfamilie, aus der später Skat, Doppelkopf und Bayerischer Schafkopf hervorgingen.
Diese sechzehnteilige Serie – deren Beiträge in den nächsten Monaten folgen – erzählt diese Geschichte. Von den ersten belegten Kartenspielen über die Entstehung von Trumpf, Kartenblatt und Reizprinzip bis zu Skat, Doppelkopf, Bayerischem Schafkopf und ihrer Auswanderung nach Nordamerika.
Mehrere Beiträge widmen sich bewusst den historischen Grundlagen. Sie erklären Spielprinzipien wie Trumpf, Reizen oder das Deutsche Kartenblatt, ohne die die späteren Spiele kaum verständlich wären.
Jede Folge steht für sich und kann unabhängig von den anderen gelesen werden. Wer die gesamte Entwicklungslinie nachvollziehen möchte, findet sie hier:
Die sechzehn Teile im Überblick
| Teil | Thema |
| 1 | Einleitung: Ein Stück Spielgeschichte |
| 2 | Karnöffel – das älteste belegte deutsche Kartenspiel |
| 3 | Tarock – der Ursprung des Talons und des Begriffs „Trumpf“ |
| 4 | Das Deutsche Kartenblatt – Eichel, Grün, Herz, Schellen |
| 5 | L’Hombre – das Reizprinzip aus Spanien |
| 6 | Das Deutsche Solo – eine vereinfachte Variante von L’Hombre |
| 7 | Deutscher Schafkopf und Wendischer Schafkopf – die vergessenen Stammväter |
| 8 | Skat – Entstehung in Altenburg |
| 9 | Skat – Verbreitung, Kongresse und Standardisierung |
| 10 | Skat – im 20. Jahrhundert und heute |
| 11 | Doppelkopf – von den Anfängen zum modernen Spiel |
| 12 | Doppelkopf – DDV und Doppelkopf heute |
| 13 | Bayerischer Schafkopf – Entstehung und Rufspiel |
| 14 | Bayerischer Schafkopf – Schafkopfschule und heute |
| 15 | Sheepshead – Schafkopf in Wisconsin |
| 16 | Gegenwart und Zukunft der Spielfamilie |
| 9 | Skat – Verbreitung, Kongresse und Standardisierung |
Die Entwicklungslinie im Überblick
| Zeitraum | Spiel / Ereignis | Region | Bedeutung |
| ca. 1425 | Ursprung von Tarock | Norditalien | Erfindet den Begriff Trumpf; weggelegte Karten |
| ab 1426 | Karnöffel | Süddeutschland | Ältestes belegtes deutsches Kartenspiel; erste feste Sonderkarten |
| ca. 1460 | Deutsches Blatt entsteht | Mitteleuropa | Eichel, Grün, Herz, Schellen; Ober, Unter, König, Daus |
| 16.–17. Jahrhundert | L’Hombre / Deutsches Solo | Spanien / Deutschland | Erstes Reiz-Prinzip: Trumpffarbe durch Bieten |
| 1782 | Deutscher Schafkopf | Sachsen / Thüringen | Älteste bekannte schriftliche Erwähnung (sächsischer Straf- und Bußgeldkatalog) |
| frühes 19. Jahrhundert | Wendischer Schafkopf | Erzgebirge / Lausitz | Bindeglied; Basis für Skat, Doppelkopf und Bayer. Schafkopf |
| 1810–1817 | Skat entsteht | Altenburg / Thüringen | Einflüsse: Dreiwendsch, L’Hombre und Tarock; Spiel für drei |
| 1811 | Doppelkopf erstmals beschrieben | Sachsen | Drei Versionen bei Paul Hammer belegt; Entstehung spätestens spätes 18. Jahrhundert |
| 19. Jahrhundert (genaue Entstehungszeit unsicher; frühe Belege aus Franken) | Bayerischer Schafkopf | Franken / Bayern | Rufspiel als Neuerung; wandert von Norden nach Süden (genaue Datierung unsicher; belegt für das 19. Jahrhundert in Franken) |
| ab 1840er | Sheepshead entsteht | Wisconsin / USA | Deutsche Einwanderer bringen Schafkopf mit |
| 1886 | 1. Skatkongress | Altenburg | Allgemeine Deutsche Skatordnung; ca. 1.000 Teilnehmer |
| 1899 | Deutscher Skatverband (DSkV) gegründet | Halle / Altenburg | Bundesweite Vereinheitlichung |
| 1982 | Deutscher Doppelkopf- Verband (DDV) gegründet | Braunschweig | Dachorganisation für Doppelkopfvereine; 16 Gründungsvereine |
| 1983 | Sheepshead – offizielles Spiel Milwaukees | Milwaukee / Wisconsin | Kulturelle Anerkennung |
| 1989 | 1. Bayer. Schafkopf- Kongress | München (Hofbräuhaus) | Offizielle Turnierregeln |
| 1990 / 1994 | Chemnitzer Modell | Sachsen / Altenburg | Vierfarbenblatt als Turnier- Kompromiss Ost/West |
| 2004 | Schafkopfschule e. V. gegründet | München | Heute inoffizielle Berufungsinstanz für Schafkopf-Regeln |
| 2016 | Skat: UNESCO-Kulturerbe | Deutschland | Immaterielles Kulturerbe der Bundesrepublik |
Die gemeinsamen Gene der Spielfamilie
Wenn man Wendischen Schafkopf, Doppelkopf, Skat und Bayerischen Schafkopf neben-einanderlegt, sieht man sofort die Verwandtschaft ebenso wie die Unterschiede, die jedes Spiel zu einem eigenständigen Charakter gemacht haben:
| Merkmal | Wendischer Schafkopf | Skat | Doppelkopf | Bayerischer Schafkopf |
| Damen / Ober als Trumpf (Standardspiel) | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Buben / Unter als Trumpf (Standardspiel) | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Karo / Schellen als Trumpffarbe (Standardspiel) | Teilweise | Frühe Form: Ja | Ja | Nein |
| Partnerschaft über höchste(n) Trumpf/ Trümpfe (Standardspiel) | Ja | Nein | Ja (still) | Rufspiel (aktiv) |
| Spielerzahl | 4 (auch 3) | 3 | 4 | 4 (traditionell) |
| Reizen vor Spielbeginn | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Doppelter Kartensatz | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Heute aktiv gespielt | Kaum | Ja | Ja | Ja |