Teil 1: Ein Stück Spielgeschichte

Wer Doppelkopf, Skat oder Bayerischen Schafkopf bzw. kurz Schafkopf spielt, der spielt – ohne es zu wissen – immer auch ein Stück Spiel-geschichte.

Alle drei haben dieselbe Wurzel: einen heute kaum noch bekannten Vorgänger aus dem sächsisch-thüringischen Raum, den Deutschen Schafkopf.

Aber die Geschichte beginnt nicht dort, sie beginnt 1426 in Nördlingen. Und sie endet nicht in Deutschland, sondern in Wisconsin/USA, wohin deutsche Einwanderer ihr Kartenspiel mitnahmen und es weiterentwickelten.

Diese zehnteilige Serie – deren Beiträge in den nächsten Monaten folgen – erzählt diese Geschichte. Von den Vorläufern über die Karten bis zur Gründung von Verbänden, die die offiziellen Regeln verbindlich festlegten.

Jede Folge steht für sich, man kann einsteigen, wo man möchte. Wer die ganze Linie sehen möchte, findet sie hier:

Die zehn Teile im Überblick

TeilThema
1Einleitung: Ein Stück Spielgeschichte
2Karnöffel – das älteste belegte deutsche Kartenspiel (1426)
3L’Hombre und Tarock – die Einflüsse von außen
4Das Deutsche Kartenblatt – Eichel, Grün, Herz, Schellen
5Deutscher und Wendischer Schafkopf – die gemeinsame Wurzel
6Skat – Entstehung in Altenburg
7Skat – Verbreitung und Vereinheitlichung
8Doppelkopf – eigenständiger Erbe und Gründung des DDV
9Bayerischer Schafkopf – der Weg von Nord nach Süd
10Sheepshead – das Spiel, das nach Amerika reiste

Die Entwicklungslinie im Überblick

ZeitraumSpiel / EreignisRegionBedeutung
ab 1426KarnöffelSüddeutschlandÄltestes belegtes deutsches Kartenspiel; erste feste Sonderkarten
16.–17. JahrhundertL’Hombre / Deutsches SoloSpanien / DeutschlandErstes Reiz-Prinzip: Trumpffarbe durch Bieten
ca. 1425Urspung von TarockNorditalienErfindet den Begriff Trumpf; weggelegte Karten
ca. 1460Deutsches Blatt entstehtMitteleuropaEichel, Grün, Herz, Schellen; Ober, Unter, König, Daus
vor 1782Deutscher SchafkopfSachsen / ThüringenÄltester belegter Schritt der Spielfamilie
frühes 19.
Jahrhundert
Wendischer SchafkopfErzgebirge / LausitzBindeglied; Basis für Skat, Doppelkopf und Bayer. Schafkopf
1810–1817Skat entstehtAltenburg / ThüringenVorläufer: Dreiwendsch + L’Hombre + Tarock; Spiel für drei
1811Doppelkopf erstmals beschriebenSachsenDrei Versionen; Entstehung spätes 18. Jh.
1843–1849Bayerischer SchafkopfFranken / BayernRufspiel als Neuerung; wandert von Norden nach Süden (genaue Datierung unsicher; belegt für das 19. Jahrhundert in Franken)
ab 1840erSheepshead entstehtWisconsin / USADeutsche Einwanderer bringen Schafkopf mit
18861. SkatkongressAltenburgAllgemeine Deutsche Skatordnung; ca. 1.000 Teilnehmer
1899Deutscher Skatverband (DSkV) gegründetHalle / AltenburgBundesweite Vereinheitlichung
1982Deutscher Doppelkopf-Verband (DDV) gegründetBraunschweigDachorganisation für Doppelkopfvereine; 16 Gründungsvereine
1983Sheepshead – offizielles Spiel MilwaukeesMilwaukee / WisconsinKulturelle Anerkennung
19891. Bayer. Schafkopf-KongressMünchen (Hofbräuhaus)Offizielle Turnierregeln
1990 / 1994Chemnitzer ModellSachsen / AltenburgVierfarbenblatt als Turnier-Kompromiss Ost/West
2004Schafkopfschule e. V. gegründetMünchenHeute inoffizielle Berufungsinstanz für Schafkopf-Regeln
2016Skat: UNESCO-KulturerbeDeutschlandImmaterielles Kulturerbe der Bundesrepublik

Die gemeinsamen Gene der Spielfamilie

Wenn man Wendischen Schafkopf, Doppelkopf, Skat und Bayerischen Schafkopf neben-einanderlegt, sieht man sofort die Verwandtschaft ebenso wie die Unterschiede, die jedes Spiel zu einem eigenständigen Charakter gemacht haben:

MerkmalWendischer SchafkopfSkatDoppelkopfBayerischer Schafkopf
Damen / Ober
als Trumpf
(Standardspiel)
JaNeinJaJa
Buben / Unter
als Trumpf
(Standardspiel)
JaJaJaJa
Karo / Schellen
als
Trumpffarbe
(Standardspiel)
JaFrühe Form: JaJaNein
Partnerschaft
über
höchste(n)
Trumpf/
Trümpfe
(Standardspiel)
JaNeinJa (still)Rufspiel (aktiv)
Spielerzahl4 (auch 3)344
Reizen vor
Spielbeginn
NeinJaJaJa
Doppelter
Kartensatz
NeinNeinJaNein
Heute aktiv
gespielt
KaumJaJaJa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert