Teil 5: L’Hombre – das Reizprinzip aus Spanien

L’Hombre entstand im 17. Jahrhundert in Spanien und verbreitete sich von dort über die Adelshöfe Europas. Erste spanische Quellen verweisen möglicherweise bereits auf das späte 16. Jahrhundert. Seine große europäische Verbreitung begann jedoch erst im 17. Jahrhundert.

Ältere Nachschlagewerke wie das Meyers Konversations-Lexikon von 1888 datierten die Entstehung von L’Hombre teilweise bereits in das 14. Jahrhundert und brachten das Spiel mit spanischen Vorgängern wie Tresillo in Verbindung. Diese frühe Datierung gilt nach heutiger Forschung als nicht haltbar. Die Entstehung wird vielmehr in das späte 16. Jahrhundert eingeordnet; seine europaweite Verbreitung setzte im 17. Jahrhundert ein.

Die wichtigste spielmechanische Neuerung war das Reizprinzip. Nicht mehr allein der Zufall entschied über das Spiel. Stattdessen konnte ein Spieler aktiv erklären, dass er die Partie übernehmen wollte.

Damit entwickelte L’Hombre eines der frühesten systematischen Bietverfahren um das Spielrecht. Dieses Grundprinzip prägte später auch den Skat (siehe Teil 8).

Vom Hof nach Deutschland

Über den spanisch-französischen Kulturtransfer gelangte L’Hombre an den französischen Hof, von wo aus sich das Spiel weiter in Europa verbreitete.

Im 17. und 18. Jahrhundert gehörte L’Hombre zu den bevorzugten Spielen des Adels und des gehobenen Bürgertums. Für das Spiel fertigte man sogar spezielle dreieckige Spieltische an: die sogenannten Lombertische. Heute gelten diese Tische als begehrte Antiquitäten.

Der Name „Lombert“ ist die eingedeutschte Form von „L’Hombre“. Er zeigt, wie die deutsche Spielkultur das Spiel übernahm und sprachlich anpasste.

Ein Spiel, das sein Jahrhundert überlebte – aber nicht seine Zeit

In England verdrängte später vor allem Whist das L’Hombre. In Frankreich und Deutschland kamen zusätzlich andere Spiele wie Écarté, Piquet-Varianten und später Skat hinzu.

Meyers Konversationslexikon von 1888 bezeichnete L’Hombre noch als das „feinste, mannigfaltigste aller Kartenspiele“. Gleichzeitig stellte das Lexikon fest, dass der Skat dem Spiel inzwischen den Rang abgelaufen hatte.

Heute spielt man L’Hombre im deutschsprachigen Raum kaum noch als eigenständiges Kartenspiel. Sein wichtigstes Erbe lebt jedoch weiter: das Reizprinzip. Der Skat entwickelte dieses Prinzip vollständig weiter. Auch Doppelkopf und der Bayerische Schafkopf nutzen verwandte Formen dieses Spielmechanismus.

Zeitgenössische Quellen

L’Hombre, in: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Bd. XIV. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1888.

Moderne Forschung und Literatur

Kastner, Hugo; Folkvord, Gerald Kador: Die große Humboldt-Enzyklopädie der Kartenspiele. Humboldt,  Baden-Baden, 2005, S. 120–123, ISBN 3-89994-058-X.

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