Der Deutsche Schafkopf und der Wendische Schafkopf gehören zu den wichtigsten historischen Schafkopfvarianten. Beide sind heute weitgehend vergessen, spielgeschichtlich jedoch bedeutend, da sie Spielprinzipien bewahren, die in den Entwicklungen von Skat, Doppelkopf und Bayerischem Schafkopf weiterlebten.
Die früheste bekannte schriftliche Erwähnung eines Schafkopfspiels findet sich 1782 in Sachsen und gehört damit zu den ältesten schriftlichen Belegen für diese Spielfamilie. Dieser frühe Beleg wird häufig mit den älteren Formen des Deutschen Schafkopfs in Verbindung gebracht. Konkret wird Schafkopf im sächsischen Straf- und Bußgeldkatalog des Jahres 1782 („Zechen und Spielen an Werktagen und Sonntagen“) ausdrücklich genannt. Gleichzeitig stellt die Quelle fest, dass Schafkopf – anders als reine Glücksspiele wie Hasardspiele – kein Glücksspiel im juristischen Sinne sei („Schafkopf … non est ludus merae fortunae“) und daher erlaubt war.
Der Wendische Schafkopf, auch Dreiwendsch genannt, war eine Übergangsform zwischen älteren Schafkopfspielen und dem späteren Skat. Beide Spiele wurden vor allem in Sachsen und Thüringen gespielt und zeichneten sich durch besondere Spielmechaniken aus.
Die Herkunft des Namens „Schafkopf“ ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Zur Diskussion stehen mehrere Erklärungen: die Ableitung von einem stilisierten Schafskopf in der Spielstandsnotierung, die Herleitung vom oberdeutschen „Schaff“ (Fass, Bottich) sowie weitere sprachgeschichtliche Ansätze. Für keine dieser Theorien existiert ein allgemein anerkannter Nachweis, sodass die Etymologie des Namens letztlich offenbleibt.
Der Deutsche Schafkopf: Frühe Belege und Spielweise
Die überlieferten Beschreibungen des Deutschen Schafkopfs zeigen ein Spiel, das im 18. und 19. Jahrhundert in Mitteldeutschland verbreitet war. Überlieferte Varianten wurden meist zu viert mit einem deutschen Blatt gespielt. Häufig bestanden die Parteien aus zwei Spielern, wobei die genaue Ausgestaltung regional unterschiedlich war.
Typisch für zahlreiche überlieferte Varianten waren feste Dauertrümpfe: Ober und Unter blieben unabhängig von ihrer Farbe dauerhaft Trumpf. Häufig kam zusätzlich eine festgelegte Trumpffarbe hinzu. Ebenso charakteristisch war die sogenannte stille Partnerschaft. Die Zusammensetzung der Teams ergab sich aus dem Besitz bestimmter hoher Trümpfe oder Asse – ohne ausdrückliche Ansage. Dadurch entstand eine besondere Spannung: Man wusste zwar, dass man einen Partner hatte, aber zunächst nicht, wer es war.
Gerade dieses Prinzip der verdeckten Partnerschaft gilt als eines der prägendsten Elemente der alten Schafkopftradition. Diese Form der zunächst unbekannten Partnerschaft steht einerseits in der Tradition älterer Schafkopfspiele und wirkt andererseits bis in das moderne Doppelkopf hinein, wo die Partnerschaft ebenfalls nicht immer sofort eindeutig erkennbar ist.
Während das Doppelkopf die Idee einer zunächst verdeckten Partnerschaft weiterführte, entwickelte der Bayerische Schafkopf mit dem Rufspiel eine andere Form: Die Partnerschaft wird dort durch das Rufen einer bestimmten Karte aktiv bestimmt.
Auch die besondere Rolle bestimmter Karten als feste Trümpfe blieb ein zentrales Element vieler späterer Schafkopfvarianten und findet sich in
Der Wendische Schafkopf: Übergangsform zum Skat
Er wurde im 18. und 19. Jahrhundert in Mitteldeutschland gespielt und zeichnete sich durch besondere Spielmechaniken aus. Der Wendische Schafkopf verband ältere Partnerschafts- und Trumpfmechaniken mit Solospielen und Formen der Spielansage, die für die spätere Entwicklung des Skats eine wichtige Rolle spielten.
Der Name „Wendisch“ verweist auf die Wenden – die slawischsprachigen Sorben der Lausitz und angrenzender Regionen Sachsens. Damit liegt auch die regionale Einordnung des Spiels nahe: Es entstand beziehungsweise verbreitete sich in einem Raum, der später über Altenburg für die Entwicklung des Skats eine wichtige Rolle spielte.
Der Übergang war allerdings kein klarer Bruch, sondern ein langsamer Wandel über mehrere regionale Spielformen hinweg. Der Wendische Schafkopf gilt als wichtige Grundlage für die Entstehung des Skats, da er bereits Formen der Spielansage und Entscheidungsmechanismen kannte, aus denen sich später das Reizen des Skats entwickelte.
Die Bedeutung für die Entstehung des Skats
Besonders deutlich wird die historische Bedeutung des Wendischen Schafkopfs bei der Entwicklung des Skats. Gleichzeitig zeigen die alten Schafkopfvarianten aber auch Spielprinzipien, die in anderen Nachfahren der Familie weiterlebten.
Der Wendische Schafkopf, insbesondere in seiner dreihändigen Variante als Dreiwendsch, gilt als einer der wichtigsten Vorläufer des Skats. Mehrere seiner Spielmechaniken – darunter Solospiel, feste Trumpfstrukturen und Formen der Spielansage – beeinflussten die spätere Entwicklung des Skats. Andere Elemente der älteren Schafkopftradition blieben dagegen in den verschiedenen Schafkopfvarianten erhalten und entwickelten sich über regionale Wege weiter.
Der Geschichte nach brache ein Kutscher den Wendischen Schafkopf aus dem Erzgebirge mit nach Altenburg, ein Mitglied der Brommeschen Tarockgesellschaft lernte das Spiel von ihm. Diese anekdotische Überlieferung geht auf Oskar Steins 1887 erschienene „Geschichte des Skatspiels“ zurück; ob sie sich in dieser Form tatsächlich zugetragen hat, lässt sich heute nicht mehr überprüfen und gilt in der Skatforschung eher als überlieferte Legende denn als gesicherte Tatsache.
Dort traf das Spiel auf eine gebildete Runde von Kartenliebhabern – Juristen, Beamte, Gymnasiallehrer und Verleger, darunter auch Personen aus dem Umfeld des Brockhaus-Verlags. Die Altenburger Runde kannte bereits anspruchsvolle Kartenspiele wie L’Hombre und Tarock und verband den Dreiwendsch mit Elementen dieser Spiele. Daraus entstand zusammen mit weiteren Einflüssen schrittweise ein neues Spiel: der Skat.
Die alten Schafkopfvarianten waren damit keine Sackgasse der Spielgeschichte. Einige ihrer Elemente führten zum Skat, andere lebten im Doppelkopf und im Bayerischen Schafkopf weiter. Sie bilden ein wichtiges Bindeglied zwischen den frühen Schafkopfspielen des 18. Jahrhunderts und den heute noch gespielten Varianten.
Zeitgenössische Quellen
● Sächsischer Straf- und Bußgeldkatalog (1782) – frühester bekannter schriftlicher Beleg für Schafkopf.
● Stein, Oskar: Geschichte des Skatspiels. Baensch, Berlin, 1887. – frühe historische Darstellung der Skatentwicklung und Quelle für die überlieferte Altenburger Entstehungsgeschichte.
Moderne Forschung und Literatur
● Kastner, Hugo; Folkvord, Gerald Kador: Die große Humboldt-Enzyklopädie der Kartenspiele. Humboldt, Baden-Baden, 2005.
● Parlett, David: The Oxford Guide to Card Games. Oxford University Press, Oxford/New York, 1990.
● Die Geschichte des Skatspiels, in: skat-spielen.de.
● Geschichte, in: Schafkopfschule e. V. (schafkopfschule.de).