Teil 6: Das Deutsche Solo – eine vereinfachte Variante von L’Hombre


Das Deutsche Solo (auch: Solo, regional auch Sollo) ist keine direkte vereinfachte Version des L’Hombre (Teil 5). Vielmehr übernahm es zentrale Elemente der älteren Ombre-Tradition und entwickelte daraus eine eigenständige deutsche Reiz- und Solo-Variante. Überliefert ist es mit einem verkürzten Blatt aus 24 Karten, bei dem Achten und Neunen fehlen.

Nach den vorliegenden Quellen wird Deutsches Solo klassisch zu viert gespielt. Ein Spieler übernimmt dabei die Rolle des Alleinspielers und tritt in der Regel gegen die drei übrigen Spieler an; regionale Varianten kennen auch Formen mit gerufenem Ass und Partner. Die Trumpfordnung orientiert sich an der jeweiligen Spielart, wobei in vielen Varianten die Kreuz-Dame („die Alte“) die höchste Trumpfkarte bildet.

Verbreitung im Nordwesten

Das Deutsche Solo ist vor allem aus Nordwestdeutschland überliefert, unter anderem aus dem Münsterland und angrenzenden Regionen. Die teilweise plattdeutsch geprägte Spielsprache spiegelt diese regionale Verankerung wider.

Das Spiel zeigt eine typische Entwicklung des 18. und 19. Jahrhunderts. Viele komplexe Spiele wie L’Hombre wurden außerhalb ihrer ursprünglichen Spielkreise vereinfacht und an regionale Gewohnheiten angepasst. Aus diesen Veränderungen entstanden neue Spielformen, die eigenständige regionale Traditionen entwickelten.

Ein kurzes Zwischenspiel der Kartenspielgeschichte

Heute wird das Deutsche Solo kaum noch unter diesem Namen gespielt. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Spielgeschichte, da es als wichtiger Übergang zwischen älteren Ombre-Formen und der Entwicklung des Skat gilt. In den USA lebt die Ombre-Tradition unter der Bezeichnung „Modern Ombre“ bis heute in kleinen Spielkreisen weiter.

Trotzdem ist das Deutsche Solo für die Geschichte der Kartenspiele bedeutsam. Sein wichtigstes verbindendes Element zu den anderen Spielen dieser Serie ist die Spielansage durch Bieten. Bei L’Hombre und beim Deutschen Solo konnte ein Spieler durch aktives Bieten das Spielrecht und die Trumpffarbe bestimmen.

Dadurch gewann die strategische Entscheidung gegenüber dem reinen Kartenglück an Bedeutung. Dieses Prinzip führte der Skat (Teil 8) später weiter und machte es zu einem festen Bestandteil des Spiels. Auch Doppelkopf (Teil 11) und Schafkopf (Teil 13) nutzen bis heute vergleichbare Elemente.

Mit dem Deutschen Solo endet der Blick auf die unmittelbaren Entwicklungsstufen vor dem Skat. Die folgenden Teile beschäftigen sich mit der Entstehung des deutschen Kartenblatts und mit der Spielfamilie rund um Schafkopf, Skat und Doppelkopf.

Moderne Forschung und Literatur

● Kastner, Hugo; Folkvord, Gerald Kador: Die große Humboldt-Enzyklopädie der Kartenspiele. Humboldt, Baden-Baden, 2005.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert